Seltenen Kirchenfenster-Zyklus aus Windthorst vor dem Verfall gerettet

HANNOVER – Ein äußerst seltener Kirchenfenster-Zyklus des Heiligen Josef konnte vor dem Verfall gerettet werden. Die drei Fenster stammen aus dem Altarraum der 1890 erbauten neugotischen St. Josef Kirche in Novo Topola, dem ehemaligen Windthorst, im Bistum Banja-Luka, in Bosnien-Herzegowina. Seit mehreren Jahren setzt sich die Deutsch-Kroatische-Gesellschaft-Hannover e.V. für diese Rettungsaktion ein. Vorsitzende Margret Engelking und Dr. Bischof Franjo Komarica, Bistum Banja Luka, fanden hierbei tatkräftige und finanzielle Unterstützung durch Arnold Deppe aus Rietberg, um die Grundsanierung der Kunstwerke durch erfahrene Restauratoren zu ermöglichen.

Für die Fenster war es höchste Zeit, gerettet zu werden, sagt Restaurator Josef Eichholz aus Bad Laer, bei Osnabrück: „Das Blei an den Kanten war sehr, sehr dünn. Es wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis die Bleiruten auseinander gefallen wären.“ Tausende von kunstvollen Fenstersegmenten wären in den Altarraum gestürzt und für immer zerstört. Die Darstellungen zeigen die Verlobung Josefs mit Maria im Tempel, Josef mit dem Jesuskind im Arm und das Totenbett des Heiligen, an dem Jesus und Maria Abschied nehmen. Eine äußerst seltene Darstellungsform. „Die Fenster zeigen zudem einen sehr hohen handwerklichen Anspruch“, betont Eichholz. Im zentralen Fenster, der Darstellung Josefs mit dem Jüngling Jesu, musste Eichholz einen Durchschuss feststellen, der zum Erstaunen der Experten das Fenster selbst nicht zerstört hatte. „In unserer Gegend sind diese Fenster sehr selten geworden. Viele dieser Fenster aus der Zeit des Historismus oder Neugotik wurden in den 60er und 70er Jahren aus den Kirchen entfernt, weil sie nicht mehr dem Geist der Zeit entsprachen. Da sind solche Objekte aus dieser Zeit immer wichtiger und wertvoller. Viele sind schon verloren gegangen. Jedenfalls in Deutschland“, betont bedauernd Andreas Eichholz, der gemeinsam mit seinem Vater und seiner Frau Maigarzata Eichholz-Maj die Restauration durchgeführt hat. In den zurückliegenden drei Jahren konnten bereits das Kirchendach und die Außentüren der Kirche ersetzt werden, um den Kirchenbau in seiner Substanz zu sichern. Im Kircheninneren sind weitere Sanierungen dringend notwendig.

Seit Kriegsbeginn 1991 im ehemaligen Jugoslawien setzt sich die Deutsch-Kroatische Gesellschaft Hannover für die Unterstützung der nach wie vor Not leidenden Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina und für den Wiederaufbau zerstörter Kirchen ein.

Zur Josef-Kirche von Novo-Topola gehören außerdem ein Kloster, eine ehemalige Schule und ein Pfarrhaus. Das Kloster von den Anbeterinnen des Blutes Christi in Novo-Topola wurde im Jahre 1888 errichtet. In seiner langen Geschichte erlebte es manche Umgestaltung. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Klosterschule im Betrieb, die von den Ordensschwestern geleitet wurde. Als im Jahre 1946 die Kommunisten die Macht im Land übernahmen, konfiszierten sie die Schule. Im letzten Krieg, 1991 bis 1995, wurden die Ordensfrauen im von serbischen Soldaten misshandelt und vertrieben, der Priester ermordet, die Josef-Kirche nach militärischen Beschuss schwer beschädigt, ebenfalls geplündert sowie das Kloster zum Lazarett und als Unterkunft für Flüchtlinge umgewandelt. Erst im Jahre 2002 erhielt das Bistum Banja-Luka das Kloster völlig verwahrlost und demoliert zurück. Inzwischen wohnen die Schwestern im wieder sanierten Gebäude. Kirche, Kloster, Pfarrhaus und ehemalige Schule werden nach den Plänen von Dr. Bischof Franjo Komarica, Bistum Banja Luka, in Zukunft als ein internationales Begegnungs- und Friedenszentrum dienen.

Seltene Kirchenfenster gerettet

Seltene Kirchenfenster gerettet